Namayca Bauer (19) | Frankreich

1Namayca Bauer ist eine Allrounderin der siebten Zirkusgeneration und arbeitet mit Löwen, Tigern, Pferden, Ziegen, Schweinen und Hunden. Ihre beiden jüngeren Schwestern gehen noch zur Schule, während Namayca mit ihrem Vater sowie ihrem Freund Yoan vierzig Raubkatzen und die vielen Kleintiere versorgt. Die junge Artistin ist aus einer französischen TV Talent-Show bekannt und gewann am bedeutenden

„New Generation Festival“ in Monte Carlo den zweiten Preis. Während der Drehzeit feiert Namayca ihren 19. Geburtstag. Der Film zeigt sie bei ihren alltäglichen Arbeiten und beim Training mit jungen und alten Tieren an ihrem damaligen Wohnort, einem Vergnügungspark an der französischen Meeresküste (Bercks-sur-Mer). Sie ist frisch verliebt in Yoan, ihren Freund und ständigen Begleiter. Da er aber nicht wie sie aus einer Zirkusfamilie stammt, entstehen Konflikte mit den Eltern. Seit Sommer 2014 hat die Familie einen eigenen Tier-Park mit einer eigenen Zirkus-Show in Saint-Léger bei Paris

„Am Tag meiner Geburt kam auch Sultan, ein kleiner Löwe, zur Welt. Beim Spazieren lag er neben mir im Kinderwagen.“

„Zirkusleute vermischen sich nicht gerne mit anderen und da ich nie wirklich mit anderen Kindern zusammen war, wurde ich direkt vom Kind zur Erwachsenen. Ich erlebte nie irgendwelche Pubertätskrisen.“

Carmen Zander (40) | Deutschland

2Die attraktive deutsche Tiger-Queen Carmen Zander kam über den Leistungssport zum Zirkus. Da sie nicht aus einer Zirkusfamilie stammt, kämpft sie allein mit den Schwierigkeiten des Zirkusalltags, den sie gekonnt sexy und mit viel Humor meistert. Sie hat ihre fünf prächtigen Tiger mit der Flasche aufgezogen und selber dressiert. Da in Deutschland ein gesetzlicher Vorstoss für ein Raubtierverbot in Zirkussen im Gange ist, droht ihr ein Berufsverbot. Carmen Zander kämpft für eine berufliche Zukunft, in der sie weiter mit den Tigern arbeiten kann und hofft, einen eigenen Tigerpark aufbauen zu können. Der Film begleitet sie während der strapaziösen Zirkus-Tournee mit langen Fahrten im Lastwagen, den sie selber fährt, häufigem Auf- und Abbau des Geheges, bei ihren Sorgen und Freuden mit ihren Tigern, beim alltäglichen Kampf als Frau in einer Männerwelt und in der Manege bei den spektakulären Auftritten. Begleitet wird sie zuerst im Winter von ihrem Assistenten Lars Jünemann und im Sommer von ihrem Bruder Kai Breuer.

„Ich finde es schade, dass die Männer davon ausgehen, eine Frau sei privat genauso wie in der Show. Der Mann erschrickt, wenn eine Frau dominant ist. Wobei ich es auch bin.“

„Wenn ein Tier krank ist, leide ich unwahrscheinlich und bin total hilflos. Trotzdem muss ich mich um alles kümmern, denn die Tiger wollen und brauchen ihre Fürsorge jeden Tag.“

Aliya (27) und Nadezhda (60) Takshantova | Russland

3Die Russin Nadezhda Takshantova hat sich den Weg in den Zirkus hart erkämpft, begann als Tierpflegerin in der Sowjetunion und ist nun seit bald dreissig Jahren Bären-Bändigerin. Sie ist die einzige Frau Russlands, die ihre eigenen Bären vorführt. Der grösste davon ist 2.70 Meter gross und 580 Kilo schwer. Sie trägt den hoch angesehenen Titel der staatlich ausgezeichneten Artistin und gilt in Russland wie in den ehemaligen Sowjetrepubliken als ausgewiesene Dompteurin. Nadezhda ist mit Tagir Takshantov, einem Zirkus-Clown, verheiratet und hat eine 27-jährige Tochter.

„Tiere nur lieben reicht nicht. Sehen ist zu wenig, man muss es fühlen. Dafür braucht es Erfahrung. Ich bin schliesslich auch nicht gleich Dompteurin geworden.“

„Es gab Zeiten, da Aliya sich vor den Bären fürchtete. Ich habe sie richtiggehend gezwungen, diese Angst zu überwinden.“

4

Die junge Aliya Takshantova hat das Handwerk von ihrer Mutter gelernt und besitzt eine eigene Bärendame, die sie auch selber dressiert. Mit ihrer eigenen natürlichen und sanften Art unterscheidet sich ihr Führungsstil von dem der Mutter. Aufgrund der ungewissen Zukunft des Russischen Zirkus macht Aliya eine Ausbildung als Regisseurin und Choreographin im Show-Business. Der Film dokumentiert die Ankunft der Familie Takshantov an ihrer neuen Zirkusstation in Perm: ein staatlicher Zirkus, ein fixes Gebäude mit Manege, Stallungen, vielen Angestellten und Artisten. Wir sehen sie beim Einrichten am neuen Ort, bei der Tierpflege und bei den Proben für die Premiere. In dieser stressigen Phase kommt es in der Manege immer wieder zu Konflikten und Diskussionen unter den Familienmitgliedern. Nadezhda möchte sich allmählich aus dem Rampenlicht zurückziehen, steht aber gleichzeitig unter grossem finanziellen Druck und weiss, dass ihre Tochter noch zu wenig Erfahrung hat, um ihre Tiere zu übernehmen.

„Der Mensch ist gefühllos, böse und aggressiv. Er tötet und verletzt. Das Tier aber ist etwas Göttliches, Übernatürliches, Heiliges. Es würde als Letztes jemanden verletzen.“

„Die Bärin, mit der ich jetzt arbeite, ist mein Schwesterchen. Sie kann ausflippen, schlechter Laune sein, genau wie ich. Mit einer Schwester kann man sich streiten und prügeln und nachher ist alles wieder normal.“

Anosa Kouta (24) | Ägypten und Katar

5

Die blonde und selbstbewusste ägyptische Löwen-Prinzessin Anosa Kouta ist im arabischen Raum ein bekannter Star und arbeitet neben den Zirkusauftritten auch als Fotomodell und Stuntfrau. Ihr freizügiges Auftreten steht im Kontrast zur aktuellen politischen Bewegung in Ägypten. Es ist unklar, ob Anosa Kouta in Zukunft wie bisher leben und arbeiten kann. Sie stammt aus einer grossen Zirkusfamilie: Ihre Grossmutter war die erste Löwen-Dompteurin im arabischen Raum und heute noch kennt und achtet man die verstorbene Artistin. Die Raubtier-Dressur wird in ihrer Familie gleich von drei Mitgliedern weitergeführt: Ihr Vater arbeitet am staatlichen Zirkus in Kairo und ihr Bruder ist mit acht Löwen-Männchen seit Jahren in der ehemaligen Sowjetunion unterwegs. Anosa selber tourt in Ägypten und in anderen arabischen Staaten. Während der Dreharbeiten waren in ihrem Heimatland grosse Unruhen und die krisengeplagten Ägypter gingen kaum in den Zirkus. Anosa tourte daher mit dem Zirkus

„Monte Carlo“ in den arabischen Ländern ausserhalb Ägyptens. Wir filmten sie während ihrem Aufenthalt in Katar vor und während des grossen Schlachtenfestes (Eid al-Adha). Sie wird dabei von zwei ägyptischen Assistenten begleitet, Shaban und Tarek, die sie seit ihrer Kindheit kennt. Per Handy und Skype pflegt sie über Tausende von Kilometern den Kontakt zur Familie.

„Bei den Löwen ist es wie bei den Menschen. Es gibt grosse und es gibt kleine, dicke und dünne, lustige und langweilige, Künstler und Dummköpfe. Es gibt gutherzige und Schlitzohren. Diese machen mir am meisten Angst. Die Löwen sind wie die Menschen.“

„Die Arbeit macht mir Freude, obwohl sie ermüdet. Sie hilft mir über Einsamkeit und Traurigkeit hinweg. Dann vergesse ich, dass ich Anosa bin. Ich bin nur noch Löwendompteurin.“